3. Wirtschaftliche Aspekte und Veranstaltungspraxis

Um die Lasershows hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine kleine Industrie entwickelt. Anbieter konkurrieren um Aufträge und finden immer mehr Anwendungsmöglichkeiten. Zugänglich, wenn auch schwer erschwinglich, sind die Bauteile für jedermann, so dass auch „Bastler“ oft erstaunliche Beiträge liefern.

Literatur ist in diesem Praxis-Feld kaum vorhanden, so dass die hier vorgestellten Fakten und Zusammenhänge zu großen Teilen auf Beobachtungen basieren.

3.1 Branchenanalyse – Ein Benchmarkingansatz

Kommerzielle Anbieter von Lasershows sind kleine und mittlere Unternehmen – oft Ein-Mann-Firmen, die für Aufträge das benötigte Personal mit Aushilfen oder Selbständigen abdecken und größere Aufgaben an weitere Firmen vergeben. Je nach Beständigkeit der Auftragslage und Angebotsschwerpunkt werden feste Mitarbeiter eingestellt. Die Aalener Firma LOBO (LOBO 2005) wirbt damit, sämtliche Produktionsstufen im eigenen Haus zu behalten – dort arbeitet ein ganzer Stab an Spezialisten und Praktikanten in Laserlabors, Entwicklung, CAD, Produktion, Programmierung und Showdesign (ebd.).

In Deutschland gibt es nach Schätzungen Thomas Hafners und Holger Walters (geschäftsführender Eigentümer der Firma HW-Lasertechnik in Bottrop) derzeit in etwa 50 Firmen (Hafner 2005). Sie bieten meist alle Formen der Produktion und Dienstleistung an, spezialisieren sich aber oft in die Bereiche Laserentwicklung und -montage, Showproduktion, Show-Durchführung oder Handel. Die Firmen LOBO in Aalen und tarm Showlaser GmbH in Bochum (mit ihren Splitter-Unternehmen) sind seit längerer Zeit die größten und bekanntesten Betriebe, die ein sehr breites Spektrum an Dienstleistungen und Waren anbieten. Danach folgt ein breites Mittelfeld, zu dem Betriebe wie ARCTOS Showlaser, HW-Lasertechnik, HB Laser, oder Medialas gerechnet werden können. Zuletzt folgt nach Hafners Schätzung eine Gruppe sehr kleiner Firmen und Newcomer (Hafner 2005), sowie einige Hobbyisten und Semi-Professionelle, die nebenberuflich Lasershows anbieten und nach Holger Walters Beobachtung oft überraschend große Aufträge stemmen (Walter 2005).

Weltweit gibt es nach der Betrachtung des deutschen Marktes nicht mehr viele Überraschungen. Hafner hält LOBO auch international für den bedeutendsten Anbieter der Lasershow-Branche. Der amerikanische Markt sei „aufgrund der strengen Bestimmungen so gut wie tot“ (Hafner 2005). Holger Walter stimmt dem bedingt zu, sieht dort aber immer noch einen wichtigen Standort, dem aber gleich an zweiter Stelle Deutschland folge (Walter 2005). In Asien, hauptsächlich China sind beiden zudem „unzählige Kleinanbieter“ geläufig, die aber nur Händler für die Produkte weniger Anbieter seien (Hafner 2005), jedoch mit „eigene[r] und viel billigere[r] Technik [...]“ (Walter 2005).

Selbstredend entsteht aus dem reichen Angebot der Anbieter und deren meist großer Flexibilität ein starker Wettbewerb. Es ist auch gängig, sinnvoll und oft bei Unternehmen sogar betriebsintern vorgeschrieben, mehrere Anbieter in Betracht zu ziehen und Kostenvoranschläge einzuholen. Entsprechende Konzepte und eventuelle Probeaufführungen vorzubereiten bedeutet viel Arbeit für die Laseristen – umso größer ist in der Branche der Kampf um feste Aufträge.

Einen globalen Zusammenschluss gibt es auch: die “International Laser Display Association” (ILDA). Sie wurde 1986 gegründet und ist die weltweit größte Organisation im Showbereich tätiger Laseristen. Die Website und die verbandseigene Fachzeitschrift “The Laserist” dienen als Plattform für Handel, technischen, künstlerischen und organisatorischen Austausch (ILDA Mission 2005). Die Mitgliedschaft und die damit verbundene Erlaubnis für das Tragen des ILDA-Logos ist in gestaffelten Preisen kostenpflichtig. In etwa einmal jährlich gibt es Verbandstreffen, bei dem auch Preisverleihungen stattfinden. Daneben begegnen sich die Laseristen auf den Fachmessen. Die „Laser“ in München ist dabei technisch ausgerichtet – interessanter ist für den Showbereich in Deutschland die Veranstaltungstechnik-Messe Prolight&Sound, die jährlich im Rahmen der Musikmesse Frankfurt stattfindet.

In Deutschland gibt es auch einen Verbund sehr aktiver Hobby-Laseristen. Die Hoyer & Lagies GbR Berlin betreibt das dazugehörige auch bei Laserprofis anerkannte Forum Laserfreak, in dem es einen Fanshop, Chat, Erfahrungsberichte und zahlreiche Fotos gibt. Die Laserfreaks veranstalten ebenfalls mehrmals im Jahr private Treffen, bei denen sie ihre selbstgebauten Anlagen vorführen können.

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3.2 Kunden und Konsumenten

„Kunden“ sind bei Lasershows nicht zwangsläufig auch Konsumenten. Äquivalent zu einem Kino, das Kunde eines Filmverleihs ist, aber dessen Kunden wiederum die Konsumenten des Films, kaufen Veranstalter eine Lasershow oder eine festinstallierte Anlage für ihre jeweils eigenen Kunden. Beide Ebenen sollen hier beleuchtet werden.

3.2.1 Absatzmärkte

„Alles was Laser hat und laufen kann zieht es in den arabischen Raum. [...] Ich schätze, das ist dort nicht von langer Dauer“ (Walter 2005), sagt Holger Walter zum aktuellen Absatzmarkt der Laseristen. Ein typisches Beispiel, wie ein kurzer „Hype“ manchmal ausbricht und schnell langweilig wird, zumindest in den zahlungskräftigen Gebieten wie Abu Dhabi, Dubai (tarm news 2005) oder in Bahrain. Holger Walter selbst sieht den deutschen Markt zwar auch als problematisch, aber nicht als tot an – wer sich eben mit neuen Ideen durchsetzen kann, findet immer wieder Abnehmer.

Große Firmen wie LOBO haben beeindruckende Referenzlisten von „Jobs“ in Deutschland und ganz Europa, Russland, Ost- und Südostasien, Indien, Nordafrika, USA, Südamerika und im arabischen Raum (LOBO References 2005). Auch die Referenzen kleinerer Firmen lesen sich schnell spannend, wenn sie im Ausland beispielsweise Festinstallationen verkauft haben und generell gutes Marketing und Networking betreiben.

Die „Jobs“ können wie bereits angedeutet vielfältige Formen haben. Im Showbereich gibt es Möglichkeiten im sogenannten „Public Event“ (Bischof 2004:8), das sich, meist in Form von Roadshows, an ein breites Publikum richtet. Hier betreiben Kommunen und Firmen eine Form der Öffentlichkeitsarbeit – das Event wird frühzeitig beworben und zieht entsprechend des Eventcharakters idealerweise eine bestimmte Zielgruppe an. Für diese Zwecke wird meist eine Kombination aus themen- beziehungsweise produktbezogener Graphik und anschließender Beamshow eingeplant. Der Google-Alert meldet fast täglich mindestens ein derartiges Event in Deutschland. Wichtig ist hier nun anzumerken, dass der Endverbraucher sich im Event-Bereich wiederum auf zwei Seiten aufspaltet: es gibt zum einen den bezahlenden Kunden, an den die Show verkauft wird, und dann aber auch das Publikum, das meist kostenlos zur Veranstaltung geladen wird aber letztlich ja die Konsumenten des Produktes darstellt.

Auch im sogenannten „Marketing-Event“ (ebd.) wird die Lasershow gerne genutzt, von Unternehmen gebucht zur emotionalen „Einschwörung“ ihrer Mitarbeiter oder der Geschäftskunden des Unternehmens. Letztes prominentes Beispiel war eine großangelegte Lasershow zur Präsentation des neuen Airbus-Großfliegers A380 vor geladenen internationalen Gästen im Januar 2005 (o.A., welt.de 2005).

Schließlich folgt eine große Sparte der Festinstallationen in „[...] Theatern, Kinos, Diskotheken, bis hin zu Großkonzernen und Freizeitparks“ (LOBO Jobs 2005) oder auch im Fernsehen – so tauchten schon in den 70er Jahren Laserbeams in der Chartsendung „Disco, Disco, Disco“ (moderiert von Thomas Gottschalk, Erstsendung am 24.08.1979) auf, und ein schönes Beispiel ist auch der Musikclip „Yeah“ des amerikanischen Sängers Usher, in dem in einer Beamshow getanzt wird.

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3.2.2 Festinstallierte Laseranlagen

Bestes Beispiel für festinstallierte Lasershowanlagen bieten die Kinos der „Kieft&Kieft“-Kette, in denen der Laser für einen kurzen „Vorfilm“ genutzt wird. In den meisten Großstadtkinos des Betreibers gibt es in einem der Säle eine Installation aus dem Laser im Projektorraum, Spiegeln auf der Bühne vor der Leinwand und Nebelmaschinen. Der Filmvorführer kann durch das Einlegen einer CD eine vorprogrammierte musiksynchrone Show starten, die meist aus einer Kombination aus Graphik- und anschließender Beamshow besteht. Was anfänglich den CineStar-Kinos einen futuristischen Touch gab, scheint mittlerweile beim Publikum nicht mehr allzu gut anzukommen, wenn man einer Rostocker Umfrage vom März 2003 glauben darf. Hier sind sich die Befragten einig, dass die Show „störend“ und „nervig“ ist, „langweilig“ und „kostentreibend“; außerdem werden durch Laserkontakt mit den Augen und zu starken Nebel besonders in den vorderen Reihen Gesundheitsschäden befürchtet (o.A., Stadtgespräche Rostock 2003:15ff.). Möglich wäre hier, dass die Anlage einfach „schlecht“ installiert ist und daher einfach nicht so wirkt, wie sie sollte – interessant wären hier Stimmen von Besuchern anderer CineStar-Kinos. Auch eine bessere Aufklärung hinsichtlich der Gesundheitsrisiken wäre sinnvoll für Besucher sowie den Betreiber. Kritisch ist aber in jedem Fall die inhaltliche Qualität dieser Showprogramme zu sehen, meistens wird Techno-Musik mit kitschigen Zeichnungen gemischt – „Bauern-Techno trifft CorelDRAW-Cliparts“, so ein Rostocker Zuschauer (ebd.). Aus Rostock werden die Shows darüber hinaus als „infantiler Schnickschnack“ bewertet, der mit „Billigstproduktionen auf [dem] unterste[n] Niveau im geschmacklichen Bereich“ (Marcker, Stadtgespräche Rostock 2003:14) auf „hyperaktive“ und „epileptische“ (o.A., Stadtgespräche Rostock 2003:15ff.) Zuschauer abziele.

Weltweit kommen festinstallierte Showlaseranlagen auch als Standardprogramm in größeren Diskotheken zum Einsatz. Die zuvor kritisierte psychodelische Wirkung ist hier ausdrücklich gewünscht – die flackernden Laserbeams fügen sich zusammen mit Stroboskop-Effekten nur zu gut in den „Overload“ von lauter Technomusik. Als besonders legendär gelten in der Laserszene auch die Lichtshows zur Begleitung der Pink Floyd-Konzerte.

Dennoch ist die Zielgruppe nicht ausschließlich ein junges Publikum. Es hängt immer von der Art und Weise der Präsentation ab: während bereits bei Firmenpräsentationen durchaus auch sachliche Informationen per Lasershow transportiert werden, gibt es auch neue Ansätze, den Laser als „Wellness-“ und „Entspannungsmedium“ zu nutzen. Freilich darf hier nicht mit stampfender Elektro-Musik gerechnet werden, sondern mit eher weichen, fließenden Klängen, die eine ebenso weiche, fließende Folge von Lasergraphiken begleiten. Grundsätzlich ist die Farbtherapie (Chromotherapie) bereits in Heilpraktikerkreisen etabliert und gilt als „eine der ältesten Behandlungsmethoden“ (Manes 2005). Sie wird unter anderem zur Unterstützung der Psychoanalyse (durch Farbpräferenzen der Patienten), zur Behandlung psychischer Probleme, Winterdepressionen und Hautkrankheiten und zur Stimulation des Immunsystems genutzt ((o.A., Paradisi Farbtherapie 2005). Das Wissen über die psychologische Wirkung von Farben wird in vielen Kulturen tradiert; überliefert beispielsweise von Azteken, Mayas, den Ägyptern oder aus der chinesischen Heilkunde ((Krämer 2005). Im europäischen Kulturkreis folgte Goethes 1810 erschienenem Buch „Zur Farbenlehre“ (ebd.) ein weiterer anerkannter Meilenstein zur Mitte des 20. Jahrhunderts, der Farbtest nach Prof. Dr. Max Lüscher (VFHN 2005).

Wie nun der Laser nicht nur Stimmung, sondern tatsächlich therapeutische Wirkungen erzielen könnte, lässt sich vielleicht aus einem Beitrag Herbert W. Frankes zum Thema „Kunst in der medizinischen Therapie“ (Franke 1987:146ff.) herleiten. Franke sieht den enormen Vorteil animierter Farbtherapie in ihrer Veränderbarkeit, die einem „ästhetischen Verbrauch“, wie er bei gezielt eingesetzter Wandfarbe oder Bildern eintrifft, entgegenwirke. Er empfiehlt die Anwendung „ästhetische[r] Figurenspiele, die sich dem therapeutischen Zweck ebenso gezielt anpassen lassen wie die klanglichen Mittel der Musiktherapie“ (ebd.). Als geeignetes Medium sieht er Fernsehschirme oder ästhetischere Formen von Lichtdisplays. Im idealen Fall soll der Patient hierbei mit dem Farbprogramm interagieren können. Die Symbiose aus gezielter Farbtherapie und dem Erfolgsgefühl des Patienten über „gelungene Werke“ könnten nach dem Arzt Prof. Dr. Helmut Gillmann den Patienten „anregen, beruhigen, entspannen, erfreuen, unterhalten, ablenken, trainieren, Aufmerksamkeit erregen, Spieltrieb aktivieren, Ideen fördern usw.“ (ebd.). Mit einer Lasershowanlage, ob nun mit voreingestelltem Programm oder für die Interaktion ausgerichtet, ließen sich derartige Versuche leicht durchführen.

Anwendungen für festinstallierte Lasershows gibt es immer mehr – beispielsweise spielt der Laser auch im Stadtbild mancher Kommunen eine dauerhafte Rolle. Dazu mehr im Kapitel 4 zur Laserkunst.

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3.3 Durchführung von Shows

Der Ablauf von der Bestellung bis zur Durchführung einer Lasershow hängt stark von der Art der Veranstaltung, den Wünschen des Auftraggebers und seinen finanziellen Möglichkeiten, und von den Gegebenheiten am Veranstaltungsort ab. Hinzu kommen starke Unterschiede in der Arbeitsweise der beauftragten Firma, die schlicht mit deren Größe und Struktur und deren Leitbild zusammenhängt. Dennoch gibt es ein gewisses „Grundschema“, das auch eigentlich kaum zu umgehen ist.

Es beginnt mit der aktiven Werbung eines Anbieters um einen Auftrag, oder mit der Idee eines Veranstalters, seiner Aktion noch eine Lasershow hinzuzufügen und dessen anschließender (möglicherweise über eine Agentur erfolgenden) Kontaktierung einer oder mehrerer in Betracht kommender Firmen. Nach Gesprächen über Wünsche und Möglichkeiten, und eventuellen Beispiel-Präsentationen entwirft der Anbieter ein vollständiges Angebot, das den genauen Ablaufplan, Kosten und Zuständigkeiten klärt und bei Einigung schließlich zu einem Vertrag zwischen Veranstalter und Show-Anbieter führt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt beginnen im Laserbetrieb die konkreten Planungen von benötigtem Equipment, das, wenn nicht im Bestand, gebaut, bestellt oder angemietet werden muss, benötigtem Personal, dem Einholen von Genehmigungen und eventuell dem Beauftragen weiterer Firmen für Einzelaufträge. Außerdem wird mit der Programmierung der Lasershow begonnen, in die häufig Firmenhistorie und Logos des Auftraggebers eingeflochten werden. Besonders bei Einsätzen im Ausland muss sensibel mit kulturellen Unterschieden umgegangen werden, was beispielsweise den Einsatz bestimmter Musik oder Bilder betrifft. Überhaupt ist eine frühzeitige Zielgruppenanalyse sinnvoll, um den Geschmack sowohl des Kunden als auch seines Publikums zu treffen (Lytle/ McCullough 2005).

Je nach Aufwand der Veranstaltung fährt die Crew den Veranstaltungsort zeitig vor dem Termin an, um in einigen Stunden bis zu mehreren Tagen den Aufbau zu bewerkstelligen und den Ablauf zu proben. Dabei gilt es bei größeren Shows zahlreiche Unterfirmen, eventuelle Akteure, Musiker oder Tänzer zu koordinieren und Absprache mit anderen Gruppen vor Ort zu halten. Dabei sind grundsätzlich alle möglichen Funktionen und Hierarchiestufen für den Laseristen denkbar – er kann als kleines Element einer großen Show unter einer beauftragten Agentur ausschließlich seinen Laser betreuen, er kann aber auch das komplette Event-Management übernehmen und seine Show mit weiteren Elementen ausstaffieren, die er dann auch zu betreuen hat. Sehr eng ist in jedem Fall die Zusammenarbeit mit Veranstaltungstechnikern, die sich um Ton und ergänzendes Showlicht kümmern, während die Absprachen mit den lokalen Behörden wie Stadt, Polizei, Feuerwehr (bei zusätzlichem Einsatz von Pyrotechnik), TÜV und anderen oft ein besonders strategisches Vorgehen erforderlich macht. Vieles ergibt sich erst in dieser Aufbau- und Probenphase, wenn lokale geographische, städtebauliche, behördliche und technische Gegebenheiten zutage treten und Änderungen verlangen.

Ein besonders zu beachtender Punkt ist die Sicherheit. Laser werden nach der DIN EN 60 825-1 in vier Gefahrenklassen eingeteilt, die von Klasse 1 für ungefährliche Laser (ungefährlich für das menschliche Auge, maximale Ausgangsleistung 0,39 bis 69 µW) bis zu Klasse 4 (sehr gefährlich für Augen und gefährlich für die Haut, zusätzlich besteht Brandgefahr) reichen. Für Showlaser werden Anlagen der Klassen 3B bis 4 verwendet, was für den Betreiber und vor allem für das Publikum eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt. Es wurde bereits erwähnt, dass in den USA das „audience scanning“ gänzlich verboten wurde (Walsh 2005), in Deutschland reagieren die Verbraucherschutzministerien der Länder mit speziellen Vorschriften für den Betrieb solcher Anlagen. Sowohl für die Laseranlage als auch für den gesamten Showaufbau und die Anordnung von Projektor und Publikum gibt es Grenzwerte, die durch den TÜV festgelegt und überprüft werden. Geplante Shows und Festinstallationen müssen zeitig beim Gewerbeaufsichtsamt und bei der Berufsgenossenschaft angezeigt und können auch kostenpflichtig durch Sachverständige begutachtet werden (LFAS Bayern 2005).

Ein Versuch der behördlichen Kontrolle ist ebenfalls die Verpflichtung des Betreibers zur Benennung eines geschulten sogenannten „Laserschutzbeauftragten“. Idealerweise ist dies der Betreiber selbst, da dieser die volle Verantwortung für die Sicherheit trägt (ebd.).

Trotz aller Vorschriften und aller Vorsicht der meisten Laseristen kann es aber immer wieder zu Sicherheitslücken in Technik und Aufbau kommen, weswegen sich immer wieder Gegner für Appelle gegen Lasershows formieren. Die Berührung durch den Laserstrahl bei Shows ist dennoch bei verantwortungsvollem Handeln des Betreibers im Allgemeinen ungefährlich, da ein einzelner energiereicher Strahl nie direkt auf das Publikum gerichtet, sondern zuvor in viele energieärmere Strahlen gesplittet sein sollte. Ebenso ist das Fluid der Nebelmaschinen normalerweise nicht schädlich für Augen oder Lunge.

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3.4 Probleme

Das erste Problem, auf das ein Laserist stößt, sind die ungeheuren Kosten, die mit einem adäquaten Showsystem verbunden sind. Im Kapitel 2.3, Bauelemente der Lasershowanlage, wurden die Preise für einzelne Komponenten bereits angerissen. Für das Equipment seines professionellen Unternehmens musste beispielsweise Thomas Hafner in etwa 15 Jahren bereits weit mehr als eine Million Euro investieren (Hafner 2005) – nicht zu reden von laufenden Kosten wie beispielsweise Werkstatt- und Lagermiete oder Personal.

Um derart hohe Investitionen finanziell ausgleichen zu können, sind entsprechend hohe Preise für Shows notwendig. Sehr kleine Shows, die außer dem Aufbau keine Vorbereitung erfordern, können schon für 1.500 (Hafner 2005) bis 3.000 (Walter 2005) Euro gekauft werden. Eine unerschöpfliche Palette an Leistungsstufen führt bis zu Preisen im Bereich von 15.000 (Hafner 2005) bis 20.000 (Walter 2005) Euro für vorproduzierte, aufwendige Shows. Kommen größere Reise- und Transportkosten, weiteres Equipment oder Einbindung von Akteuren hinzu, vermehrt sich diese Summe entsprechend. Kleinanbieter, die mit Dumping-Preisen den Markt belasten, stolpern dabei oft schnell selbst über ihre Fehlkalkulationen.

Die hohen Preise sind vor Neukunden häufig schwer zu rechtfertigen, wenn beispielsweise professionelle Hochfeuerwerke schon um die 1.000 Euro zu haben und Werbebotschaften auch auf vielfältige andere Weise zu verbreiten sind. Für Kenner liegen die Vorteile der Lasershow klar auf der Hand. Ein nicht zu schlagendes Argument ist immer das Presse-Echo, da öffentliche Lasershows in den lokalen Medien gerne redaktionell angekündigt werden und im Nachhinein bilderreich beschrieben werden: gut wahrgenommene und dazu kostenlose Werbung für den Kunden. Selbst bei geschlossenen Veranstaltungen ist die futuristische Wirkung auf die Zuschauer nicht zu verleugnen, und gerade Firmen, die ein zukunftsgewandtes Image zu unterstreichen haben, bedienen sich gerne dieses Effekts.

Dennoch ist das Interesse, und mit Sicherheit auch schlicht der Investitionsrahmen potenzieller Abnehmer in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Thomas Hafner ist dieser Entwicklung mit einer Verlagerung seines Schwerpunkts in Produktion und Verkauf von Laseranlagen begegnet, was mittlerweile 90% seiner Einnahmen ausmacht (Hafner 2005).

Wer entwickelt und produziert, sieht sich wie in anderen Branchen mit starker weltweiter Konkurrenz und Patentproblemen (insbesondere aus China, in dem Patentrechte nicht besonders achtsam behandelt werden) konfrontiert. Im Lasershowbereich ist dies nicht anders, und auf Messen (wie beispielsweise der LASER 2005 in München im Juni 2005) hört man von nahezu allen Firmen Klagen über derartige Probleme.

Letztendlich sind auch die mehr oder weniger berechtigten Eingriffe der Behörden eine Last insbesondere für kleine Unternehmer, und auch die schlechte Zahlungsmoral, die sich in der Industrie entwickelt hat, wird immer stärker bemängelt.

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3.5 Kunstbranche

Auch in den nicht-kommerziellen Feldern hat sich eine Laser-Szene entwickelt. Bereits Mitte der sechziger Jahre begannen sich weltweit Künstler, Musiker, Designer und Architekten „für den Einsatz des Lasers auf ihren Gebieten zu interessieren“ (Claus 1985:61). Im Vorgriff auf die weitere Beschreibung der Laserkunst im folgenden Kapitel sollen hier kurz wirtschaftliche Aspekte angeschnitten werden.

Eine der wegbereitenden Gestalten der Laserkunst ist der 1934 in Aachen geborene Künstler Horst H. Baumann, der seit langem in Düsseldorf lebt. Seine meistzitierte Aktion war eine Vernetzung wichtiger barocker Bauten im Kasseler Stadtbild zur documenta 6 im Jahre 1977, die in der Stadt so großen Anklang fand, dass sie zwei Jahre später zum regelmäßigen Betrieb fest installiert wurde (Claus 1985:70). Die Stadt gab für den Ankauf 120.000 DM für die Laser, 100.000 DM für Steuerung, Kühlung, Versorgung und 30.000 DM für Sonderanfertigungen aus (ebd.). Durch die weiten Entfernungen zwischen Gebäuden wurden starke Laser von bis zu 25 Watt Leistung benötigt, die sich auch preislich entsprechend niederschlugen. Die Wartung einer solchen Anlage verschlingt ebenfalls hohe Summen, die Baumann im September 2005 durch den Austausch der alten Gaslaser mit einem unanfälligeren Festkörperlaser mindern will.

Nach Baumanns Einschätzung war die Bereitschaft der Kommunen, sich bei Stadtjubiläen und ähnlichen Festen die Ehre einer kostspieligen künstlerischen Aktion zu geben, früher weit höher. Von den zahlreichen Konzepten, die Baumann immer wieder einreicht, werden aber immerhin noch in etwa 25% realisiert, was in wirtschaftlich angespannten Verhältnissen noch eine gute Leistung ist. Als Künstler selbst profitiert man von diesen Aufträgen, abgesehen von „Ruhm und Ehre“ für eine gelungene Installation, kaum. Horst Baumann hätte von der Kunst allein nie leben können, hätte er nicht zusätzlich ein breites Feld an Photographie, Design und visueller Kommunikation abgedeckt. Eine interessante Beobachtung Baumanns ist, trotz der schlechten Auftragslage im Kunstmarkt, eine Tendenz zu immer größeren, immer großformatigeren Aktionen. So stoßen Baumanns Pläne für astronomische Projekte, in denen natürliche und künstliche Himmelskörper angestrahlt werden, auf großes Interesse. Zahlreiche Non-Profit-Aktionen werden immer wieder angefragt, für die sich Baumann immer gerne begeistert und das entsprechende Equipment für die Dauer einer solchen Aktion leiht (Baumann 2005).

Bezeichnend ist auch im Laserbereich das Phänomen, dass kommerziell und künstlerisch orientierte Laseristen voneinander nichts mitbekommen, beziehungsweise sich gegenseitig richtiggehend ignorieren. Sowohl Künstler wie auch kommerzielle Anbieter halten sehr wenig von den Projekten und Prinzipien des anderen und finden die Arbeiten der anderen Seite bestenfalls langweilig und technisch sowie inhaltlich längst überholt. Diese Haltung übersteigt sogar die Missgunst der direkten Konkurrenten im eigenen Bereich – ein Thema, dem sich das Kapitel 4.4 noch etwas genauer widmet.

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